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Entwicklung des Matthäikirchhofs Leipzig

Grundlagenermittlung

Der am nord-westlichen Rand der Leipziger Innenstadt gelegene Matthäikirchhof ist ein Stadtraum mit besonderem Geschichtsbezug und hoher symbolischer Bedeutung. Das Areal zählt zu den ältesten Siedlungsräumen der Stadt Leipzig. Hier befanden sich auf einer Anhöhe eine slawische Siedlung und ab der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine befestigte Burganlage. Dieser „urbs Libzi“ genannten Anlage verdankt Leipzig seine Ersterwähnung im Jahr 1015. Auf den Grundmauern der Burganlage entstand zum Ende des 13. Jahrhunderts eine Klosteranlage um die spätere Matthäikirche.

 

Der Stadtraum veränderte sich im Lauf der Jahrhunderte wiederholt. Während der Kriegsjahre ging das Stadtquartier um den Matthäikirchhof zu weiten Teilen verloren. Die Ruinen der Matthäikirche wurden 1950 abgetragen, die historische Straßenführung und Parzellenstruktur vollständig überformt. Auf dem südlichen Gelände entstanden zum Ende der 1970er Jahre Neubauten für die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit (BVfS) sowie die Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei (VP) während der nördliche Bereich unbebaut blieb.

 

Im Herbst 1989 wurde die Zentrale des BVfS gewaltfrei besetzt. Seither ist das Areal eng mit dem bürgerschaftlichen Aufbruch der Friedlichen Revolution verknüpft. Einrichtungen wie das Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig sowie die vielfältigen bürgerschaftlichen Initiativen und Ausstellungen halten die Geschichte dieses Ortes im Bewustsein.

Die Stadt Leipzig beabsichtigt nun diese letzte große Konversionsfläche in der Innenstadt zu entwickeln. Ziel ist es, ein urbanes, gemischtes Quartier mit besonderen öffentlichen Nutzungen auf dem 1,9 ha großen Areal entstehen zu lassen. So sollen unter anderem ein "Forum für Freiheit und Bürgerrechte" sowie das zentrale Archiv für die sächsischen Stasi-Unterlagen hier entstehen. Zur Umsetzung dieser anspruchsvollen städtebaulichen Entwicklung führt die Stadt Leipzig eine umfangreiche konzeptionelle und planerische Vorbereitung durch, um die zahlreichen Themen und Fragestellungen abzubilden.

 

Die Grundlagenermittlung für die Entwicklung des Matthäikirchhofs dient in diesem Zusammenhang als ein informelles Planwerk. Sie fasst in verdichteter Form Aussagen zu den standortbestimmenden Rahmenbedingungen wie Eigentumssituation, Raumstruktur, Erschließung und Verkehr, Freiraum etc. zusammen. Zugleich wurden vorliegende Konzepte und Fachplanungen zum Areal sowie die planungsrechtlichen sowie denkmalpflegerischen Vorgaben berücksichtigt um Bindungen und Bestimmungen aufzuzeigen.

 

Die Grundlagenermittlung wurde in enger Abstimmung mit den zuständigen Ämtern bei der Stadt Leipzig erarbeitet. Sie bilden eine wichtige Ausgangslage für eine umfassende Bürgerbeteiligung und ein darauf aufbauendes Wettbewerbsverfahren.

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Auftraggeber:

Stadt Leipzig

Zeitraum:

2019 – 2020

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