Guter Überblick zur Stadtentwicklung
Broschüren untersuchen Umgestaltung der Leipziger City sowie EU-Projekt mit Bremen und Nürnberg
20 Jahre Planen und Bauen in der Leipziger Innenstadt. Es ist ein mehr als würdiger Anlass für das jüngste Heft der "Blauen Reihe", welche das Rathaus-Dezernat für Stadtentwicklung und Bau herausgibt. Für zehn Euro Schutzgebühr erhält der Leser mit dem Heft 53 ein umfassendes Kompendium über das Werden und Wachsen der City nach der deutschen Wiedervereinigung.
Auf 74 Seiten und mit etlichen tollen Fotos werden herausragende Projekte - wie der anfangs heftig umstrittene Umbau des Hauptbahnhofs, die bei vielen Einwohnern ungeliebte Umgestaltung des Augustusplatzes (Stichwort "Milchtöpfe"), der bis heute zwiespältig bewertete Bau der Marktgalerie oder ein nach wie vor unvollendeter Patersbogen - in ihrer Entstehungsgeschichte faktenreich vorgestellt. Allein: Die von der Stadt selbst herausgegebene Broschüre umschifft weitgehend die Probleme, die sich bei dem rasanten Veränderungsprozess auch im Planungsbereich unweigerlich auftaten. Nicht mal ein Hinweis darauf, dass es seit Jahren keinen gültigen Bebauungsplan für die Leipziger City gibt, ist zu finden. Lediglich in einem Interview, das Arehitaktin Iris Reuther mit dem 2011 in den Ruhestand gewechselten Stadtplanungsamtsleiter Wolfgang Kunz führte, scheinen hier und da kritische Untertöne auf. Im charmant geschriebenen Vorwort von Jana Hensel gibt es immerhin einen Hinweis auf die lebensgefahrliehe Situation am Übergang zu den Straßenbahngleisen vorm Leipziger Hauptbahnhof.
Weit mutiger kommt da eine zweite neue Broschüre zur Stadtentwicklung daher, die eine Art Halbzeitbilanz für die von 2007 bis 2015 ausgelegte EU-Initiative "koopstadt" zieht. Ob es um die Wiederbelebung heruntergekommener Industrieareale, massiver Probleme im Bildungsbereich, beim ausufernden Einzelhandel oder der schwierigen Suche nach einer wirksamen Bürgerbeteiligung geht, in dem ebenfalls von Iris Reuther (Büro für urbane Projekte) sowie
dem Leipziger Architekturbüro Karo gestalteten Heft werden wunde Punkte offen angesprochen. Und zugleich Lösungsansätze aufgezeigt, welche die Städte Bremen, Nürnberg und Leipzig innerhalb von "koopstadt" im steten Austausch, entweder gemeinsam oder getrennt beschreiten.
Einen guten Überblick, wie Planungen in Leipzig derzeit funktionieren, bieten indes beide Broschüren.
(Jens Rometsch)