Dialog Druck und Kompromisse
Das Amt für Städtebau der Stadt Zürich feiert in einem Buch seine Arbeit der vergangenen zehn Jahre. Kooperation stand dabei stets im Vordergrund.
"... «Zürich baut - Konzeptioneller Städtebau» erscheint durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch, was den Anspruch auf eine internationale Beachtung unterstreicht. Das Buch schafft einen Überblick über die Planungstätigkeiten der vergangenen zehn Jahre, seit 1997 Franz Eberhard das Amt übernahm und ein Jahr später Regula Lüscher Leiterin der Stadtplanung wurde. (...) Allen Planungen gemeinsam ist das so genannte kooperative Verfahren, als dessen Erfinderin sich das Amt für Städtebau im Buch rühmt. Nicht mehr die abstrakte hoheitliche Flächenzuordnung steht dabei im Vordergrund, sondern das Aushandeln von gebietsspezifischen städtebaulichen Prinzipien zusammen mit den Grundeigentümern und weiteren Beteiligten.
Pragmatismus statt visionärer Muster
Als Richtschnur dienen nicht mehr übergeordnete Stadtvisionen oder formale städtebauliche Muster - wie in Berlin beispielsweise, sondern eine Sicht auf eine vielfältige Stadt, die nicht nur aus den zurzeit gerade beliebten Gründerzeitquartieren besteht. «Konzeptioneller Städtebau» bedeutet aus der Sicht des Amts den Versuch, dem nach wie vor immensen Investitions- und Umsetzungsdruck Herr zu werden, ohne die Grundeigentümer zu vergraulen. (...) Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, wie eine Behörde im Beispiel von Zürich-West es schafft, durch Dialog, Druck und Kompromisse den renditeorientierten Grundeigentümern öffentliche Plätze abzuringen, ohne dass sie eigenes Land dazu mit ins Spiel einbringen konnte.
Wie sich das Amt für Städtebau langsam aber kontinuierlich an die veränderten Rahmenbedingungen und die neue Planungsmethode herantastet, wird im Buch anschaulich dargestellt. Prozesse und Verhandlungen, die sich über Jahre hin erstreckten und die im Getümmel des Tagesgeschehens kaum richtig erfassbar waren, sind von den Autoren Angelus Eisinger und Iris Reuther kompakt zusammengefasst und thematisch gegliedert worden. (...) Einzig in den drei Gesprächsrunden, die das Buch abschliessen, herrscht nicht die ansonsten so demonstrativ kommunizierte Harmonie. Insbesondere das Gespräch mit einigen Grundbesitzern und Investoren zeigt auf, dass die kooperativen Verfahren inzwischen zwar etabliert, aber nicht nur beliebt sind.
Hier stellt sich die Frage, ob es nicht doch griffigere und schärfere Planungsinstrumente braucht, doch diese Frage muss die Politik beantworten.
(Caspar Scharer)